PROF. VOLKER PFÜLLER 
Januar jagt Jaguar

(...) Das klingt nach Christian Morgenstern und ist wohl auch beabsichtigt. Denn Humor, Intelligenz und Schönheit zeichnet dessen Werk aus, und er wäre also ein geeigneter Schutzpatron für diese Ausstellung. Sie zeigt vorwiegend Tiere, solche die es gibt und solche, die man sich wünscht, dass es sie gäbe, aber auch einige, von denen man fürchtet, dass es sie geben könnte. Anija Seedlers Formate reichen von ganz kleinen, die ihr Pinsel oder ihre Feder gerade noch formulieren kann bis zu der Größe, die die fließende Aquarellfarbe gerade noch erreicht, oder die ihr Arm mit Stift oder Feder noch in einem Fluß überstreichen kann. Sie liebt die Leichtigkeit. Die Aquarellfarbe scheint von allein an die richtigen Stellen auf dem Papier zu fließen um beim Trocknen auch noch die richtigen interessanten Ränder zu bilden. Ihre Federzeichnungen vermitteln die Illusion, daß die braune oder rote Tinte auf eigene Faust aus der Feder strömt und der Strich ohne zu stocken genau das abbildet , was er soll. Es scheint alles sehr mühelos entstanden zu sein. Das ist natürlich eine Täuschung, die auf ihrer Kunst beruht. Wir haben Blätter von großer Einfachheit und zugleich doch von großer Raffinesse vor uns. Besonders die Farben sind von schwelgerischer Schönheit, sie haben einen hohen Reiz in ihrer meisterhaften Balance von warmen und kühlen Tönen, von schwebenden Valeurs und herzhaften Akzenten. Die Tiere, die wir hier sehen sind oft aus einem Farbfleck entstanden und doch unerhört charakteristisch. Wir finden Insekten, Frösche, Vögel, Fledermäsue, kleine und riesige Vierbeiner, kurz gesagt : alles von der Mücke bis zum Elefanten. (...)

January 2007